Chu-Chi – im Tunnel des Vietcong

90 Minuten südwestlich von Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) befindet sich das Ziel einer sehenswerten Tagestour (08.00 – 15.00 Uhr), die Tunnel von Chu-Chi. Berühmt durch unzählige Vietnamfilme hat man hier die Chance Geschichte hautnah, wenn auch etwas verzerrt, zu erleben.

Das Tunnelsystem von Chu-Chi erstreckt sich auf mehr als 240 Kilometer und diente in erste Linie der Versorgung und dem Unterschlupf der nordvietnamesischen Soldaten, dem sogenannten Vietcong. Die Tunnel verbinden mehrere größere unterirdische Räume die als Versorgungs-, Schlaf-, Sanitätsräume und Waffenkammern dienten.

Tausende amerikanische Soldaten wurden durch Hinterhalte getötet und verwundet während der Vietcong durch die hunderten Eingänge in die Tunnel flüchtet und so wie vom Erdboden verschluckt für die amerikanischen Patrouillen nicht mehr auffindbar war.

Während der Flächenbombardements versteckten sich auch Zivilisten im Tunnelsystem um dem Inferno zu entkommen. Die Ausstellung ist sehr anschaulich ausgebaut, aber leider total überfüllt.

Anfahrt nach Chu-Chi

Es gibt die Möglichkeiten mit dem Bus, inklusive einmal umsteigen. Was wohl nach Erzählungen so mit 15.000 VND zu Buche schlägt. Und dann gibt es da noch den Fahrdienst Uber mit 457.000 VND und das geliebte Taxi. Da hab ich gar nicht nach dem Preis gefragt, weil ich das in Vietnam meide.
Meine persönliche, wenn auch gehasste Empfehlung ist die Reisegruppe. Da es eh nur so von Reisegruppen wimmelt, die aneinandergereiht sich durch den Dschungelpfad bewegen, ist Individualität nicht möglich. Also warum viel Stress oder Geld in die Fahrt investieren um anschließend eh in einer Gruppe zu laufen.

Kosten der Tunneltour inkl. Anfahrt

  • Reisebüro 130.000 VND
  • Eintritt 90.000 VND
  • Guide 20.000 VND

Hinzu kommen noch die Kosten der Munition, für alle die sich mal wie Rambo fühlen wollen 😉 (mehr dazu im Abschnitt „Shooting Range“)

Scharfschützenloch

Erste Station auf dem Trail ist das Scharfschützenloch. Deutsche und russische Scharfschützen benutzten diese Technik, im zweiten Weltkrieg, um noch dem Schuss unauffällig zu verschwinden, ohne gesehen zu werden. Sie blieben einfach vor Ort und verschwanden in einem Loch.
Das Loch gleich einer bauchigen Flasche. Man steigt mit den Füßen zuerst und getreckten Armen durch die engen Öffnung die sich nach untern erweitert. Dort kann man dann seine Beinen anwinkeln und den Rücken beugen. So hockt man dann in einem ca. 130 Zentimeter tiefen Loch und schließt den abgetarnten Deckel über sich. Dieses Versteck ist dann nur noch mit modernster Technik oder Hunden zu finden.

Boobytrap – Menschen als Freiwild

Makaber aber anschaulich sind auch die Dschungelfallen welche sehr originalgetreu wieder hergestellt wurden. Verschiedene Trittfallen, teilweise mit Nägel oder alternativ mit gespitztem Bambus, finden hier Anwendung.

Shooting Range Chu-Chi

Neben den vielen theoretischen Erklärungen, kommt man auf dem Schießstand dann in die Gelegenheit amerikanische und russische Waffen des Vietnam Konfliktes in der Realität zu benutzen. Angeboten werden folgende Waffen, die Preise beziehen sich auf eine einzelne Patrone:

  • Karabiner M1 Garand (40.000 VND / Schuss)
  • Sturmgewehr M-16 (50.000 VND / Schuss)
  • Sturmgewehr AK 47 (50.000 VND / Schuss)
  • Maschinengewehr M60 (45.000 VND / Schuss)
  • Maschinengewehr M30 (40.000 VND / Schuss)

Tunnel – Tour

Hautnah geht es dann bei den ersten hundert Metern des Tunnelsystems zur Sache. Ca. ein Drittel der Teilnehmer weigerte sich das Labyrinth zu betreten oder kamen wieder aus dem Vorraum. Von ebener Erde geht es in einer sehr geräumigen ca. 15 qm großen Keller, in welchen man durch ein Loch im Boden das Tunnelsystem betritt. Die Gänge sind für die Touristen verbreitert worden, so dass man bequem im Entengang durch sie entlang watscheln kann. Durch weitere Löcher im Boden oder der Decke gelangt man dann auf mehrere Ebenen. Dazu kommen alle 20 Meter Abzweigungen für den Abbruch der Tour falls die kleine Panik kommt. Auf den letzten Metern wird der Tunnel dann ein wenig enger, so dass ich auf allen Vieren voran musste.

Pausensnack

Nach viel Panik und Schweiß bekommen die Gefechtsfeldtouristen dann einen kleinen Snack gereicht, welcher typisch für die Ernährung des Vietcong gewesen sein soll. Süßkartoffeln mit einem Dip aus Nüssen und Zucker. Sehr lecker, aber leider nur ein Snack.

Dokumentarfilm

Zum Abschluss fasst ein Propagandafilm das Erlebte nochmal gut zusammen. Mich würde die Meinung amerikanischer Touristen interessieren, da hier einzelne Vietcong-Kämpfer lobend hervorgehoben werden und immer wieder die Worte „American-Killer“ und „Hero“ fallen. Der Film zeigt anschaulich, wenn auch einseitig, das Leben während der Besatzung, die Bombardements und den Kampf der Guerilla gegen amerikanische Patrouillen.