Teheran entdecken

Teheran aktuell

Die mit Abstand größte Stadt im Iran ist gleichzeitig die Hauptstadt.
6 Millionen Menschen wohnen hier. Teheran ist sehr modern und die Menschen unglaublich hilfsbereit. Im Gegensatz zu anderen Ländern hatte ich nie das Gefühl das dafür eine Gegenleistung erwartet wurde. So sprachen uns öfters Männer auf der Straße an, sobald wir offensichtlich mit GPS navigierten. Sofort boten sie sich an uns hinzubringen und unterhielten sich auf dem Weg mit uns. Danach ein kurzer Händedruck und eine freundliche Verabschiedung.

Kein Verschleppen in irgendwelche Teppichläden oder Spelunken. keine Nachfrage nach einem Trinkgeld. Für mich im arabischen Raum sehr verwunderlich.
Ebenso die Kaufleute in den Geschäften, keine Preisverhandlungen, kein wildes Anpreisen der Ware. Reingehen umschauen, netter Plausch, freundliche Verabschiedung. Für meine Mentalität sehr angenehm. Hier noch ein Reisebericht aus dem Spiegel um sich ein näheres Bild zu machen.

 

Vom Flughafen in die Stadt

Da viele Flüge in der Nacht ankommen ist das Taxi die bevorzugte Fortbewegungsart in Teheran. Es gibt wohl einen Festpreis (500.000 IRR, 10 EUR / Fahrt) für den die eingetragenen Fahrer die Touristen in die Stadt bringen. Wir kamen in der Raucherecke mit einem (privaten) Fahrer ins Gespräch, der uns für 10 EUR / Person seine Dienste anbot. Wir fanden das nachts um 3.30 Uhr passend und bequem. Sehr angenehm war die Tatsache, dass beim Absetzen vor dem Hostel keine Diskussion entstand. Ich gab ihm die 20 EUR und er bedankte sich freundlich. Keine Abzocke, kein Gefeilsche wie sonst im arabischen Raum üblich.

 

Verkehrsmittel in Teheran

In der Innenstadt von Teheran bewegt sich der Europäer mit dem Taxi. Das ist eine preiswerte wie auch bequeme Methode, allerdings bei Rushhour auch eine sehr langsame. Hier noch einige Alternativen:

Bus

Der Bus in Teheran fährt auf der Mitte der Straße in einen nur für Ihn abgezäunten Bereich, quasi einer Busspur. Der Zaun ist auch nötig, da sich die Verkehrsteilnehmer in der Stadt auf keinen Fall an die Verkehrsregeln halten. Selbst auf dem Bürgersteig sind Poller angebracht, damit die Motorradfahrer nicht auf ihm fahren. Wo Poller fehlen ist mit heftigem Motorradverkehr zwischen den Fußgängern zu rechnen. Im Bus selbst herrscht strikte Geschlechtertrennung. Vorne Männer, hinten Frauen. Bezahlt wir am Eingang der Bushaltestelle um dann, nach dem Drehkreuz sich schon mal in den Ausgang zu stellen um den Bus, in der jeweiligen Sektion, zu betreten. Über den Ausgängen stehen Piktogramme um sich zu orientieren welches Geschlecht in welche Sektion.

U-Bahn

Genau wie beim Bus, ist auch die U-Bahn in Teheran klar getrennt. Ärgerlich wenn eine Sektion gerade leer, aber dem anderen Geschlecht zugeordnet ist. Ich persönlich hatte nach meiner U-Bahn Erfahrung keine Lust auf Wiederholung. Iraner halten nicht wirklich Abstand was persönliche Nähe angeht. Dennoch wird die U-Bahn weiter ausgebaut und ist eine schnelle Alternative zum Taxi.

Taxi

Die nervigste und schnelle Variante der Fortbewegung ist das Taxi. da es sehr preisgünstig ist, nehmen die meisten Touristen nur die Variante. Empfohlen wird das Taxameter, allerdings ist mir noch kein Fahrer untergekommen der es eingeschaltet hätte. So verhandle ich meistens zu Beginn der Fahrt. Vorsicht bei dem Preis, manchmal sind es Toman manchmal Rial (siehe Reisevorbereitung Iran, Bargeld). Dazu kommt das manche Fahrer den Preis pro Person abrechnen und dann am Ende der Fahrt das Doppelte bei zwei Personen verlangen. Also immer den Preis aufschreiben lassen und nachfragen ob er Rial meint und dann den Preis für alle Personen bestätigen lassen.

Snapp als Alternative zu UBER

Da der Iran, abgeschnitten von allen westlichen Strukturen, viele gewohnte Dinge vermissen lässt, existieren auch Alternativen. So wie Snapp. In gewohnter UBER Manier können über diese App private Fahrer als Alternative zum Taxi gebucht werden. Die App liefert auch für Taxifreunde einen guten Anhalt für einen fairen Preis beim verhandeln mit dem Fahrer. Das Verhandeln entfällt bei Snapp natürlich. Einfach Standort und Zielort eingeben. Preis errechnen lassen und Fahrzeug anfordern. Keine Sprachbarrieren oder Preisverhandlungen. : Zusätzlich: Snapp kostet ca. die Hälfte des regulären Taxipreises.

Snapp App auf das Handy bekommen
Der Iran macht seine eigenen Apps. So ist „Snapp“ auch nicht über den Google Play Store zu finden. Die beste Möglichkeit ist der iranische Play Store namens „Bazaar“. Hier gibt es alle App Alternativen die im Iran funktionieren.
Mir hat dabei einer der Besitzer unseres Hostels geholfen, allein wird das nicht funktionieren. Allein die sprachliche Hürde ist hoch. Arabisch ist noch nicht so mein Fall. Die App lässt sich später auf Englisch umstellen. Die Funktionalitäten sind die Gleichen wie bei UBER.

 

Wohnen in Teheran

Da Hotels im Iran keine Anbindung an internationale Plattformen, wie Booking.com oder HRS haben, macht die Buchung deutlich schwerer. Dadurch steigen natürlich auch die Hotelpreise. Alle Hotel die wir außerhalb des Iran gefunden haben waren >100 Euro. Eine Ausnahme bilden die Hostels, zwei davon waren im Internet zu erreichen:

SeeYouInIran

Unser Hostel ist ohne Ausnahme zu empfehlen. Mit 55 EUR die Nacht waren wir in einem Doppelzimmer unterwegs. Das Zimmer war sauber und die Toiletten hatten europäischen Standard, inklusive Toilettenpapier. Duschen gab es pro Flur eine, was allerdings kein Problem war da wir neben der Dusche wohnten. Die Gäste waren Deutsche oder Franzosen. Check-in ist immer um 11 Uhr, Check-out 10 Uhr. Frühstück inklusive. Und generell sind die Iraner ein megagastfreundliches Volk.

Seven Hostel in Teheran

Auf der Rücktour von Buschehr testeten wir auch das Seven Hostel in Teheran. Die Gegend ist das Tuning und Werkstätten Zentrum der Stadt und dementsprechend laut. Wir hatten zu zweit ein Dreibettzimmer für uns was sich mit 60 Dollar im Budget niederschlug. Hier war die Dusche aber im Zimmer. Da der Garten fehlte wurden die Gemeinschaftsräume auf die Dachterrasse gelegt. Hier befindet sich auch für die Gäste die noch kein Zimmer haben oder schon ausgecheckt sind eine Toilette nebst Dusche um sich frisch zu machen. Ich persönlich würde das „see you in iran“ vorziehen, aber als Alternative geht das Hostel allemal.

 

Sehenswürdigkeiten (Südtour)

Die Dinge die ich in Teheran sehen wollte sind relativ geballt im Norden und Süden der Stadt, so dass zwei Tage mit jeweils einer Route sehr praktisch abzulaufen gehen.
Das natürliche Fortbewegungsmittel in der Stadt ist das Taxi.
Ich laufe allerdings lieber, weil das näher an der Stadt und an den Menschen ist.
Meine Südroute die an einem Tag gut zu schaffen ist, sieht folgendermaßen aus:

Ehemalige amerikanische Botschaft

Nach dem Sturm auf die amerikanische Botschaft in Teheran wurde diese als Gedenkstätte ausgebaut. Geöffnet ist der komplette zweite Stock in der sich die Spionage Abteilung der Botschaft befand. Führungen durch englischsprachige Studenten sind kostenlos. Interessant wie der Iran seine Seite des Konfliktes darstellt. Ähnliches ist mir schon bei der Darstellung der vietnamesischen Geschichte in Saigon passiert. Man glaubt gar nicht dass die beiden Seiten dasselbe Ereignis beschreiben.

Strasse der Herrenausstatter

Auf dem Weg zum Golestan Palast , direkt am südlichen Ende der Ferdowski Ave, liegt die Schneider Straße. Hier haben sich die Herrenausstatter von Teheran niedergelassen. Wer einen Anzug oder sonstiges für den Büroalltag braucht dem sei ein Gang durch diese Gasse empfohlen.

Golestan Palast

Eher enttäuschend war hingegen der Besuch des Golestan Palastes. In dem Garten befinden sich mehrere Museen die, jedes für sich, extra Eintritt kosten. Wir entschieden uns für den Garten und das Haupthaus und ließen sportliche 300.000 IRR / Person an der Kasse. Der Name Garten der Blumen war übrigens irreführend, mit den Blumen ist nicht der Garten gemeint, sondern die Mosaike an den Wänden die zahlreiche Blumenmotive darstellen.

Großer Bazar

Anders als der Sukk in Agadir (Marokko), besteht der Basar in Teheran aus aneinander liegenden Geschäften des täglichen Bedarfs. So folgen Bäckereien, Drogerien, Gewürz- und Teppichhändler, sowie KFZ Ersatzteile einem festen Plan. Für mich eher langweilig.

Hauptbahnhof Teheran

Der Bahnhof als Teil der transsibirischen Eisenbahnstrecke von den Deutschen gebaut. Die Philipp Holzmann AG errichtete damit das erste Gebäude aus Stahlbeton im Iran. Interessant sind die Deckenverkleidungen die stilisierte Hakenkreuze darstellen. Eine gängige Mode im Jahr 1935. Von hier fahren auch sämtliche Züge in den Rest des Landes, nur unbedingt vorher buchen. Unser spontaner Entschluss am Abend zu fahren, endete am Fahrkartenschalter, da alle Züge in den Süden die nächsten Tage ausverkauft waren.

 

Sehenswürdigkeiten (Nordtour)

Am zweiten Tag liefen wir die Nordtour mit einem großen Schwenk nach Westen um den Freiheitsturm noch mit in das Programm zu nehmen. Richtung Norden wird auch die Luft deutlich besser, da in dieser Richtung die Berge liegen und mit der Höhe die Luft sich vom tiefsitzenden Smog erholt.

Freiheitsturm Azadi Tower

Direkt am Ausgang des Inlandflughafens steht der Freiheitsturm. Eigentlich vom Schah als Wahrzeichen für 2500 Jahre Iranische Monarchie gebaut, ist er jetzt das Wahrzeichen für die Islamische Revolution.
Der Turm befindet sich auf einer Verkehrsinsel die durch Fußgängerüberwege betreten werden kann. Unter dem Turm ist eine Ausstellung mit Bilder Teherans aus verschiedenen Zeiten zu sehen. An unsrem Tag war außerdem eine Jugendveranstaltung mit dem Titel „Creative Morning“ im vollen Gange. Wer will kann auch für 150.000 IRR mit dem Fahrstuhl in die Kuppel fahren. Die Aussicht ist wirklich lohnenswert.

Milad Tower

Der 6. höchste Fernsehturm der Welt steht im Norden von Teheran. Die beste Art dorthin zu kommen ist eindeutig das Taxi bzw. Snapp. Der Turm steht inmitten eines Convention Centers welches nur über die Autobahn erreichbar ist. Der Eintritt kostet mit allen Extras 360.000 IRR.

Für diesen Preis wird der Tourist dann an die Hand genommen und im Haus herumgeführt. Selbstständige Bewegung ist nicht möglich.

Gesammelt werden alle Besucher in einer Art Lounge, ähnlich den Wartesessel im Flughafen. Hier gibt es in Farsi und Englisch einen Vortrag über den Turm und seine Bedeutung. Erst nach dem Vortrag wenn genügend Besucher versammelt sind geht es in den Fahrstuhl, der allerdings mit einer affenartigen Geschwindigkeit emporfährt.

Für alle Spezialisten mit Höhenangst, geh als Erster in den Fahrstuhl, die Tür ist gläsern und lässt den Blick über die Stadt schweifen.

Die erste Etage ist Freiluft mit schwer vergitterten Wänden, Fotos gestalten sich hier ein wenig schwierig. Allerdings sind die statischen Ferngläser ohne Bezahlung offen.

Nächster Stopp ist die Kuppel, direkt unter der Antenne, der Sky Dome. In der Etage ist alles verglast. Der Blick über Teheran ist aber uneingeschränkt. Auch hier wieder, nur in der Gruppe.

Nach 10 Minuten Aufenthalt geht es auch schon in das Museum, in welchen wirklich gut gemachte Wachsfiguren stehen. Alle stellen große Persönlichkeiten aus der Geschichte Persiens oder dem Iran dar. Leider fehlt mir der kulturelle Hintergrund um dort richtig einzusteigen.

Freigelassen werden die Besucher ca. eine halbe Stunde später im Basement. Hier ist noch der FoodCourt zu erwähnen in dem es ein paar iranische, vor allem aber westliche, Speisen gibt.

Mein persönlicher Favorit war ein Stand mit virtueller Realität und der Zombie-Apokalypse. Für 100.000 IRR kann Mann hier bis zum Abwinken die Aggression rauslassen und wild um sich ballern. Auch mal schön.

Zip Lines in Teheran

Wer vom Milad Tower auf den nächsten Hügel möchte hat hier zwei Optionen. Die erste ist eine schwankende Hängebrücke über den Abgrund, die andere nicht minder schwankende ist eine Fahrt mit der ZIP Line. Die Hängebrücke ist eine Einbahnstraße und wahrscheinlich für die Rückkehr der Zip Liner zum Tower gedacht. So steht es auf jeden Fall auf dem Einbahnstraßen Schild. Da die Zip Line Anlage an diesem Tag geschlossen wir ignorierten wir das Schild und benutzten die Hängebrücke für beide Wege. Allerdings kam uns auf der Mitte des Weges der Schaffner entgegen und erleichterte uns um 50.000 IRR pro Person. Aber das war es wert.

 

Nasenoperationen

Was besonders auffällt sind die vielen gebrochenen Nasen, bzw. die Verbände die viele Iraner im Gesicht tragen. Das ist der iranische Volkssport. Eine kleine wohlgeformte Nase gehört zum Schönheitsideal in diesem Land. Nasenkorrekturen sind ein Zeichen von Wohlstand, sodass manchmal der Verband länger als nötig getragen wird oder vielleicht sogar unnötigerweise um seinen Status zu erhöhen.