Tokio – Megametropole

Bei meiner Recherche über Tokio bin ich auf überraschende Fakten gestoßen. Tokio ist keine Stadt, sondern eine Präfektur. Der Stadtstatus wurde 1943 aberkannt und so bilden der Stadtkern und die umliegenden Gemeinden die Präfektur Tokio. Die Dichte der Besiedlung ist unglaublich, im Großraum leben 37 Millionen Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 15.287 Einwohner / km² während Berlin auf 4.039 Einwohner / km² kommt. Es wird also eng! Bei der Summe der Sehenswürdigkeiten bietet der Stadtteil Shibuya die beste Ausgangsbasis. Solltest Du weiter als zu Fuß durch die Stadt wollen empfehle ich das bestens ausgebaute U-Bahn Netz, die Automaten sind allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Japaner sind sehr diszipliniert, vermeide also Abkürzungen oder Vordrängeln. Die vorgegebenen Prozesse werden streng eingehalten, auch wenn eine schnelle Lösung manchmal einfacher wäre. Hier zählt die Etikette mehr als das Ergebnis.

Anreise nach Tokio

Tokio ist in Besitz von zwei Flughäfen. Dem entfernteren Narita (NRT) und dem citynahen Haneda (HND).

Natürlich kommen die günstigen Flüge auf dem entfernten Flughafen Narita an.

Airport Express
Die schnelle, bequeme und teure Lösung ist der Airport Express. Direkt vom Terminal geht es für 2600 JPY in die Innenstadt und von da aus mit der Metro weiter.

Bus Shuttle
Die etwas langsamere und deutlich preiswertere Methode ist der Bus. Wir fuhren vom Terminal 2 mit dem Express Bus bis zur Tokyo Station mitten in der Stadt. Ca. 60 Minuten dauert die Fahrt und kostet 1000 JPY / Person. Abfahrt ist an der Bushaltestelle 19.

Mit dem Taxi nach Tokio
Die schnellste und teuerste Variante ist die Anreise mit dem Taxi. Hier gibt es, Gerüchten zu Folge, Preisspannen von 120.000 – 150.000 JPY bis in die Stadt.

Hostels und Hotels in Tokio

Empfehlungen lesen oder alle bei Agoda oder Booking.com auflisten lassen!

Shibuya Tobu Hotel

Das Hotel liegt unmittelbar an der berühmten Shibuya Kreuzung (siehe Shibuya Crossing, weiter unten) mitten im belebten Stadtteil Shibuya. Leider waren wir über Neujahr hier, was die Preise auf über 200 EUR für das 3-Bett Zimmer katapultierte. Der Service ist super und die Zimmer werden jeden Morgen in den Urzustand zurückversetzt, egal was ihr umräumt oder umstellt. Da kennen die Zimmermädchen nix. Auch wird nichts weggeworfen was nicht expliziert im Mülleimer liegt. Halbvolle Gläser oder Papierschnipsel bleiben eiskalt liegen. Japaner sind da sehr korrekt. Hier das Shibuya Tobu Hotel bei Booking oder Agoda.

Sehenswürdigkeiten in Tokio

Tokio Tower

Die Nachbildung des Pariser Eifelturmes war seit 1958 das höchste Gebäude in Tokio, bis es 2012 von SkyTree abgelöst wurde. Noch heute werden vom Tokio Tower 24 Radio- und Fernsehsender ausgestrahlt. Der Turm besitzt zwei Plattformen. Eine auf 150 Metern mit Läden und Restaurants und die reine Aussichtsplattform auf 250 Metern. Zu den  Preisen kann ich leider nichts sagen, weil der Tokio Tower im Vergleich zum neuen Skytree mit seinen 634 Metern viel kleiner ist und ich nicht beide besteigen wollte. Trotzdem verzeichnet der Tokio Tower 3 Millionen Besucher jedes Jahr.

Robot Restaurant

Abgefahrenes Entertainment nach japanischer Art findet sich im Stadtteil Shijunju. Hier wir mit viel Werbung und großen Schildern das Robot Restaurant angekündigt. Leider ist auch diese Unterhaltungspalast zwischen den Silvesterfeiertagen geschlossen und für uns nicht verfügbar. Trotzdem zeigt das Video ganz gut was wir hier verpasst haben. ich hoffe Du tust Dir das an und schreibst mir eine E-Mail über Deinen Live Eindruck von Restaurant.

Meiji Schrein

Gewidmet ist die Anlage den Seelen von Kaiser Meiji und seiner Frau Kaiserin Shoken. Mitten im Herzen von Shibuya wurden auf der Anlage mehr als 100.000 gespendete Bäume aus ganz Japan gepflanzt. Der Shinto Schrein gilt als der Meistbesuchte im ganzen Land. Besonders zu den Feierlichkeiten um Neujahr wird es voll. Hier strömen bis zu 5 Millionen Besucher herbei, um das neue Jahr mit einem ersten Gebet im Meiji Schrein zu beginnen. Bis Ende 2019 ist die Anlage nur beschränkt zugänglich, da Teile der Architektur erdbebensicher umgebaut werden.

Tullys Coffee

Wer westliches Frühstück möchte, gepaart mit gutem Kaffee hat mit Tullys Coffee eine gute Wahl getroffen. Den Kaffee gibt es bei Entzugserscheinungen auch warm oder kalt in jedem Lebensmittelladen, (Family Mart, 7 Eleven, Lawson). Die Pancakes sind spitze, der Preis allerdings auch. Nach meiner Freude endlich eine Alternative zu Starbucks gefunden zu haben, stellte ich bei meiner Recherche fest, dass Tullys eine Kette aus Seattle ist, mit Lizenzen in Japan. Na toll.

Omoide Yokocho

Die kleine Gasse in der Nähe der Shinjuku Station servierte nach dem Krieg (in Zeiten der Lebensmittelknappheit) Innereien und gerillte Fleischspieße. Die kleinen Spelunken in die nicht mehr als 8-10 Personen passen, servieren nach heute kleine Snacks und alkoholische Getränke in beengter Atmosphäre. Ein kleiner Spaziergang und eine kurze Stippvisite in einer der Kneipen lohnt sich. Die beste Zeit ist nach Einbruch der Dunkelheit, da es keine einheitlichen Öffnungszeiten gibt. Zur Mittagszeit ist hier überwiegend geschlossen.

Atago – Jinja Schrein

Der Schrein wurde 1603 vom ersten Shogun der Tokugawa Dynastie errichtet und befindet sich auf der höchsten Erhebung innerhalb Tokios. Die Treppe für sich ist schon ein Erlebnis. Die musste ein Samurai mit Pferd einmal rauf und wieder runterreiten, um am Hof Karriere zu machen, daher die Bezeichnung „Karrieretreppe“. Ich frage mich gerade ob unsere „Karriereleiter“ auch von so einer Geschichte kommt?

Auch hier ist der Besuch zu Neujahr, aufgrund der vielen Besucher, keine gute Idee. Oder vielleicht doch?

Zojo-ji Tempel

Der buddhistische Tempel steht nach mehreren Umzügen, bedingt durch seine Sponsoren und Unterstützer seit 1598 an dieser Stelle. Er ist der Familientempel der Tokugawa einer japanischen Shogun Dynastie. 6 der insgesamt 15 Shogune dieser Dynastie sind in einem angrenzenden Areal hinter der Haupthalle beigesetzt. Wir hatten die Ehre an einer Tempelzeremonie zum Neujahrsfest teilzunehmen. Es gab reichlich Räucherstäbchen und Trommeln zu den Gebeten. Eine wirklich sehr beeindruckende Zeremonie.

Tokyo Skytree

Der Fernsehturm von Tokio (634m) ist mit seinen beiden Aussichtplattformen in 350 Metern und 450 Metern der größte freistehende Funkturm, sowie das zweithöchste Gebäude der Welt. Die beste Zeit für einen Besuch ist gleich früh um 09.00 Uhr, da ansonsten mit mindestens 30-60 Minuten Wartezeit gerechnet werden muss. Für 2060 JPY fährst Du auf die erste Ebene, was in meinen Augen völlig ausreichend ist. Erst hier kannst Du für 1030 JPY ein weiteres Ticket für die nächste Plattform auf 450 Meter kaufen. Meine Empfehlung ist das Cafe mit Sitzplatz Richtung Fuji, der 106 Kilometer entfernte Vulkan ist bei gutem Wetter klar zu sehen und die Kuchen sind köstlich. Nettes unnützes Wissen: Die Turmhöhe ist nicht zufällig, sondern ergibt den alten Namen der Region in der er steht: 6 muttsu, 3 san, 4 shi:  Musashi.

Nagomi Visit (Zu Gast bei Japanern)

Wer das richtige Japan kennen lernen möchte, dem lege ich Nagomi Visit ans Herz. Die Organisation bringt Ausländer und Japaner beim Essen zusammen. Einfach über die Seite anmelden, eine kurze Vorstellung deiner Person schreiben und schon bewerben sich Japaner um mit Dir Zeit zu verbringen. Jetzt kannst Du wählen bei wem Du zu Hause eingeladen werden möchtest. Wir entschieden uns für eine Familie die von der Anzahl der Kinder meinen Reisepartnern entsprach. Die 26 EUR die für das Essen abgebucht werden sind die Auslagen der Gastfamilie.
Nachdem wir uns große Sorgen um die traditionellen Bräuche in japanischen Familien gemacht hatten, gestaltet sich das Essen völlig unkompliziert und sehr herzlich. Hier konnten wir endlich alle Fragen loswerden die sie die Zeit über gesammelt hatten.
Die Suzuki Familie (5 Kinder) ist sehr westlich orientiert und Tomoe (die Gastgeberin) spricht sehr gutes Englisch. Zum Essen gab es Fisch, der allerdings von einer Qualität, die wir in Deutschland selten bekommen. Selbstgemachtes Sushi liebevoll angerichtet und natürlich viel zu viel. Für mich das Highlight meiner Japanreise!

Kaiserpalast Tokio

Eine grüne Oase mitten in der Stadt. Der Kaiserpalast in Tokio öffnet für das gewöhnliche Volk zweimal im Jahr die Pforten. Einmal am 23. Dezember, der Geburtstag von Kaiser Akihito und am 02.Januar zu Neujahr, dem größten Feiertag in Japan. Der Kaiser selbst ist anwesend und hält in regelmäßigen Abständen eine Begrüßungsrede, die von den Anwesenden fanatisch gefeiert wird. Diesen Januar (2019) war die Neujahrrede die letzte des Kaisers, da dieser als erster Monarch in der japanischen Geschichte in den Ruhestand geht. 150.000 Menschen nutzten die Gelegenheit und warteten mehr als 3 Stunden ruhig und gesittet in langen Warteblocks um beim Kaiser vorgelassen zu werden. So gut abgestimmte Prozesse bei solchen Menschenmassen habe ich selten gesehen, Japaner sind da sehr prozessorientiert. Kein Schieben, kein Schubsen, kein Vordrängeln.

Samurai Museum

Über die Feiertage nach Tokio ist nicht die beste Idee. Auch das Samurai Museum war restlos überfüllt. Hier gibt es keine individuelle Tour, nur Führungen. Wir hatten die Chance uns für eine Tour (drei Stunden später) anzumelden und haben dankend abgelehnt. Eintritt pro Person 1.980 JPY.

Shibuya Crossing

Shibuya ist eine Stadt in der Präfektur Tokyo oder wie der Berliner sagen würde, ein Bezirk. Hier befindet sich die überfüllteste Kreuzung der Welt. Da sich im Anschluss direkt das Vergnügungsviertel befindet und auf der anderen Seite der Zugang zu extrem vielen Metro-Linien, laufen alle diese Leute über die Kreuzung. Das faszinierende an der Kreuzung ist allerdings, das alle 90 Sekunden der gesamte Verkehr zum Erliegen kommt und alle Fußgängerampeln gleichzeitig auf „grün“ schalten. So laufen Leute kreuz und quer oder auch diagonal über die Straße. Pro Ampelphase teilweise mehr als 3000 Personen. Durch diesen Umstand wird auf der Kreuzung auch ständig fotografiert und gefilmt. Wer Zeit und Muße hat setzt sich für einen Kaffee zu Starbucks in die erste Etage.

Silvester in Tokio

Wer ohne Silvesterfeuerwerk gut klar kommt ist in Japan gut aufgehoben. Hier wird das Neue Jahr besinnlich verbracht. Die Feiertage gehen vom 31.12 – 03.01., hier ist mit eingeschränkten Öffnungszeiten oder geschlossenen Läden zu rechnen. Begonnen wir der Abend im Kreise der Familie mit dem für uns seltsam anmutenden Fernsehprogramm. Eine Mischung aus „Dschungelcamp“ und „Schlag den Raab“. Wer Japaner als zurückhaltend und überaus höflich im Alltag kennt versteht das „nackt um den Schreibtisch gelaufe“ und „eklige Brühe ins Gesicht kippende“ Unterhaltungsprogramm nicht. Wir unterhielten uns mit MMA (Mixed Martial Arts) auf einem anderen Sender bis kurz vor Mittagnacht.
Traditionell wird das neue Jahr mit 108 Glockenschlägen eingeläutet, welche die Begehrlichkeiten und Sünden der Menschen symbolisieren die es abzulegen gilt. Danach gehen die Menschen zum ersten Gebet des neuen Jahres in den Schrein und werfen Geld. Im alten Jahr wurden noch die letzten Aufgaben erledigt um keine Belastungen und Verpflichtungen mit in das neue Jahr hineinzunehmen.
Viele zelebrieren den ersten Sonnenaufgang als den Neuanfang eines neuen Jahres und als Zeichen der Achtsamkeit. Schreine und Tempel sind am 01. Januar völlig überfüllt und verlangen lange Wartezeiten.

Wer mehr Party erleben möchte geht um Mitternacht auf die Kreuzung im Stadtteil Shibuya. Hier versammeln sich tausende von Menschen um gemeinsam auf riesigen Reklametafeln den Countdown zu erleben.

mehr Highlights in Tokio

Karaoke Tempel

Japaner lieben Karaoke! Anders als bei uns ist diese Veranstaltung aber nicht massentauglich mit ewig viel Publikum, sondern in einem kleinen Raum mit engen Freunden oder Familie. Das nächste Mal werde ich mir auf alle Fälle diesen Spaß geben.

Katzen Cafe

In der Dichte einer Großstadt findet sich auch die größte Vereinsamung. Haustiere sind in den meisten Wohnungen verboten Hier haben die Japaner ein neues Konzept entwickelt: das Katzen Cafe. In diesen Locations können einsame Menschen, nennen wir sie „Tierfreunde“ einen Kaffee trinken und dabei mit den hauseigenen Katzen spielen.

Shuudan Koudou

Der geplante An-einander-vorbeilaufen ist in Japan eine Sportart. Bedingt durch unseren knappen Zeitplan, ist es mir auch nicht gelungen hier eine Veranstaltung zu besuchen. Shuudan Koudou wir in Sportarenen durchgeführt und beinhaltet neben körperlicher Kondition auch hohe Präzision und Teamgeist.

Kabukicho

Der Stadtteil wurde ursprünglich um ein Kabukitheater herum geplant. Nachdem dieses aber nie fertiggestellt wurde sammelten sich hier die Nachtbars, Spielhallen, Karaoketempel und Hostessenbars an. Jetzt gilt Kabukicho als das „Rotlichtviertel“ in Tokio. Grell, abgefahren und sündig.

 

Monster Cafe

Ebenso abgefahren wie sehenswert muss auch das Monster Cafe sein. Leider ist auch dieses während der Feiertage um Neujahr geschlossen. Was den Besuch aber nur aufschiebt. Japan ich komme wieder, es gibt doch noch so viel zu sehen.

 

Sumo Ringkampf

Dicke Leute die sich gegenseitig aus dem Ring drängen. Von den Japaner als Ikonen verehrt, halte ich es für ein „Must-See“ für jeden Japanreisenden. Die Veranstaltungen sind allerdings knapp gesät, so das ich mich auf das nächste Mal vertrösten muss.