Erstellt 08/2026
Poznań – kaum eine polnische Stadt wird von deutschen Reisenden so unterschätzt wie diese Perle an der Warta. Dabei liegt die Hauptstadt Großpolens nur einen Katzensprung von der deutschen Grenze entfernt und ist mit dem Auto oder der Bahn in wenigen Stunden erreichbar. Wer nach einem Städtetrip sucht, der Geschichte, Kultur und pulsierendes Studentenleben vereint, ohne dabei von Touristenmassen überrannt zu werden, ist hier goldrichtig.
Das Herzstück der Stadt bildet der Alte Markt (Stary Rynek) mit seinen bunten Bürgerhäusern, die an ein Aquarell erinnern, und dem prächtigen Renaissance-Rathaus, aus dem täglich um 12 Uhr zwei mechanische Ziegenböcke hervortreten – eine Poznańer Tradition, die schon seit Jahrhunderten Groß und Klein begeistert. Rundherum laden gemütliche Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, während sich in den Gassen dahinter das studentische Flair der Stadt entfaltet.
Doch Poznań hat weit mehr zu bieten als nur seine malerische Altstadt: die Dominsel mit der ältesten Kathedrale Polens, das imposante Kaiserschloss, gemütliche Parks entlang der Warta und eine lebendige Streetfood- und Craft-Beer-Szene, die keinen Vergleich mit westeuropäischen Metropolen scheuen muss. Und das Beste daran: Im Vergleich zu Berlin, Prag oder Krakau ist die Stadt noch ein echter Geheimtipp – die Preise sind entsprechend fair.
In diesem Guide nehme ich dich mit auf eine Reise durch Poznań: von den besten Sehenswürdigkeiten über kulinarische Highlights bis hin zu praktischen Tipps für deine Anreise und Unterkunft. Egal ob Wochenendtrip oder längerer Aufenthalt – hier findest du alles, was du für deinen perfekten Städtetrip nach Poznań brauchst.
Informationen über Visum, Einreisebedingungen, Steckdosen, Geld abheben und vieles mehr, findest Du unter Reisevorbereitung Polen
Anfahrt nach Poznan
Mit dem Flixbus aus Deutschland
Meine bequeme Anreise in die älteste Stadt Polens war von Berlin aus mit dem Flixbus. Knappe 25 Euro und 4:30 h bis zum Hauptbahnhof in Posen. Einfacher geht es kaum. Von da aus lässt sich eigentlich alles zu Fuß erreichen. Die Innenstadt ist knappe 10 Minuten entfernt. Zur Not nimm die Straßenbahn.
Mit dem Flugzeug aus Deutschland
Posen hat einen eigenen Flughafen, den Flughafen Posen-Ławica (POZ). Von hier aus gibt es Direktflüge nach Prag, Frankfurt und Amsterdam.
Mit dem Zug aus Deutschland
Spaß und Spannung mit der Deutschen Bahn. Wenn Du ein Deutschlandticket hast, kannst Du quer durch Deutschland bis an die Grenze zu Polen fahren und dann mit einem Anschlussfahrschein für unter 5 EUR geht es bis in die Stadt. Der Hauptbahnhof liegt sehr verkehrsgünstig gelegen, keine 1000 Meter vom Stadtzentrum entfernt.
Mit dem Auto aus Deutschland
Je nach Lust und Laune bleibt dann noch das Auto. Die Mautstrecken in Polen sind relativ preisintensiv. Von der deutschen Grenze bis Poznań waren es 15 EUR Mautgebühr, dafür kostet der Sprit fast nichts. Das Parken in der Stadt ist allerdings ein Albtraum. Da alles fußläufig ist, haben wir das Auto bei Interparking Parking Plac Wolności Poznań unter dem Freiheitsplatz abgestellt. Das Parken kostet für 24 h / 50 ZL.
Economic Mandala Apartments
Wenn Du wenig Ansprüche hast und mitten in der Stadt wohnen willst, dann nimm das Mandala Hostel. Eine große Wohnung mit vier Zimmern, von denen dann eins dir gehört. Küche im Flur, Toilette mit Dusche, extra Dusche und extra Toilette für alle gemeinsam. Mein Raum war riesig und auch leer. Da ich das Dreibettzimmer gebucht hatte, war das Ersatzbett meine Ablage. Dazu noch ein Schreibtisch mit für Stühlen, Ende der Möblierung. Dafür 3 Minuten zum Stadtzentrum und Party bis um 2 Uhr nachts. Ich habe mich wohlgefühlt und immer wieder verlängert. Einblicke gibt es bei Agoda.
Sehenswürdigkeiten in Poznan
Alter Marktplatz (Stary Rynek)
Der Stary Rynek zählt zu den größten mittelalterlichen Marktplätzen Europas, gegründet im 13. Jahrhundert. Das Renaissance-Rathaus, ursprünglich 1253 erbaut und im 16. Jahrhundert prachtvoll umgestaltet, gilt als eines der schönsten Rathäuser nördlich der Alpen. Bunte Bürgerhäuser säumen den Platz und erzählen von Posens Handelsgeschichte. Im Rathaus-Deckengewölbe wachen ein gemalter Elefant und ein Nashorn über den Saal – Relikte einer Zeit, als exotische Tiere als Statussymbole galten. In der Platzmitte erinnert ein Denkmal aus zwei verbundenen Kreuzen an den blutig niedergeschlagenen Posener Aufstand von 1956, bei dem 57 Menschen starben.
Museum des Großpolnischen Aufstandes
Der Aufstand begann am 27. Dezember 1918 in Posen, ausgelöst durch die patriotische Rede Ignacy Paderewskis. Polnische Aufständische kämpften gegen die deutsche Verwaltung um die Eingliederung der Provinz Posen in den neu entstandenen polnischen Staat. Der Aufstand gilt als eine der wenigen siegreichen polnischen Erhebungen der Geschichte und endete 1919 mit dem Waffenstillstand von Trier sowie der völkerrechtlichen Bestätigung im Versailler Vertrag. Die Dauerausstellung zeigt in moderner Aufmachung die Tradition der unabhängigkeitsbezogenen Kämpfe Großpolens vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum siegreichen Aufstand 1918–1919 sowie die Zeit der Zweiten Republik.
Restaurant Schaboszczak
Nur wenige Schritte vom Alten Markt entfernt liegt „Schaboszczak od Dziadka“ (übersetzt: „Schweineschnitzel vom Opa“) – ein unscheinbares, aber legendäres Restaurant der klassischen polnischen Hausmannskost. Mit einer Google-Bewertung von 4,7 bei über 10.000 Rezensionen zählt es zu den beliebtesten Adressen der Stadt. Spezialität ist der namensgebende Schaboszczak: ein riesiges, mit Käse überbackenes Schweineschnitzel. Man bestellt hier klassisch an der Kasse, ausgesucht wird an der Kreidetafel – Getränke holt man sich selbst aus dem Kühlschrank. Die Portionen sind gewaltig, dass es für zwei Personen reichen sollte, Trotz Massenandrangs bleibt der Ort ein „Local Gem“, der eher von Einheimischen besucht wird.
Rathaus Poznan
Das Posener Rathaus zählt zu den schönsten Renaissancebauten nördlich der Alpen. Ursprünglich im 13. Jahrhundert als gotischer Bau errichtet, wurde es 1550–1560 vom italienischen Architekten Giovanni Battista Quadro grundlegend umgestaltet – seine Handschrift prägt bis heute die prächtige dreigeschossige Loggien-Fassade. Der Turm mit der berühmten Ziegen-Uhr misst rund 90 Meter. Im Deckengewölbe des „Renaissance-Saals“ wachen gemalte Darstellungen eines Elefanten und eines Nashorns – exotische Statussymbole vergangener Jahrhunderte. Nach schweren Kriegsschäden 1945 wurde das Rathaus originalgetreu rekonstruiert. Heute beherbergt es das Historische Museum der Stadt Posen.
Posener Ziegen
Das berühmteste Wahrzeichen Posens sind zwei mechanische Ziegenböcke am Turm des Rathauses. Seit 1551 stoßen sie täglich um 12 Uhr zwölfmal mit den Hörnern zusammen – begleitet von einem Trompetensignal. Der Legende nach soll ein Koch namens Pietrek für die Einweihungsfeier der neuen Rathausuhr Rehkeulen braten, ließ sich aber vom Anblick der Uhr ablenken. Das Fleisch verkohlte, und in Panik stahl er zwei Ziegen von einer nahen Weide als Ersatz. Die Tiere entkamen jedoch, flohen auf den Rathausturm und stießen dort vor den Augen der Festgäste mit den Köpfen zusammen. Der Bürgermeister war so amüsiert, dass er dem Koch verzieh und einen Uhrmacher beauftragte, den Auftritt mechanisch zu verewigen.
Archäologisches Museum
Untergebracht im wiederaufgebauten Renaissance-Palais der Familie Górka zählt das Archäologische Museum zu den ältesten Institutionen seiner Art in Polen – seine Wurzeln reichen bis 1857 zurück, als die Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften ein Museum für polnische und slawische Altertümer beschloss. Prägende Figur war Józef Kostrzewski, Entdecker der bedeutenden ur- und frühgeschichtlichen Siedlung Biskupin. Neben Funden aus Großpolen beherbergt das Museum einen echten ägyptischen Obelisken zu Ehren Ramses II. – eine Rarität in dieser Region Europas – sowie eine echte ägyptische Mumie. Ein weiteres kurioses Ausstellungsstück sind die „Ochsen von Bytyń“, urgeschichtliche Bronzefiguren.
Musikinstrumente Museum
Direkt am Alten Markt, in drei historischen Renaissance-Barock-Bürgerhäusern, beherbergt das Musikinstrumentenmuseum die einzige Sammlung seiner Art in Polen und eine der bedeutendsten in Europa. Gegründet 1945 vom Kaufmann, Tennisspieler und Sammler Zdzisław Szulc, der zunächst 80 eigene Instrumente stiftete, umfasst die Sammlung heute rund 2.000 bis 3.000 Exponate aus aller Welt – darunter Geigen von Andrea Amati (1550, dem Begründer der Cremoneser Geigenbauschule, an der auch Stradivari lernte) und Marcin Groblicz. Zu den kuriosesten Stücken zählt eine „Glasharmonika“ – erfunden von Benjamin Franklin, gespielt durch das Berühren rotierender, wassergekühlter Glasschalen mit feuchten Fingern.
Croissant-Museum
Direkt am Alten Markt, mit Blick auf die berühmten Ziegen am Rathaus, liegt das Rogalowe Muzeum Poznania – das „Croissant-Museum“. Trotz des Namens ist es kein klassisches Museum mit Vitrinen, sondern eine interaktive Show: Zwei kostümierte Bäcker führen humorvoll durch Geschichte, Legende und Herstellung des Rogal Świętomarciński, inklusive Verkostung eines original zubereiteten Hörnchens. Das Rezept ist EU-weit gesetzlich geschützt – nur Bäckereien der Region Großpolen dürfen das Gebäck offiziell so nennen, ähnlich wie bei Champagner. Seit der Eröffnung 2014 zählt die Show laut Tripadvisor regelmäßig zu den drei bestbewerteten Attraktionen Posens. Täglich um 14.00 Uhr in Englisch.
Kirche des hl. Stanislaus
Die Fara-Kirche gilt als schönste Barockkirche Posens und eine der prunkvollsten in ganz Polen. Erbaut von Jesuiten im 17./18. Jahrhundert, beeindruckt sie mit einer üppig verzierten Fassade und einem Innenraum voller Gold, Marmor und Fresken. Die Orgel der Fara-Kirche zählt zu den größten historischen Instrumenten Polens und wird bis heute für Konzerte genutzt – ihr Klang soll angeblich noch in den umliegenden Gassen zu hören sein. Nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 diente die Kirche zeitweise profanen Zwecken, bevor sie ihre religiöse Funktion zurückerhielt. Trotz ihrer Opulenz wird sie von vielen Touristen übersehen, da sie im Schatten der bekannteren Ziegen-Attraktion am nahen Rathaus steht.
Schokoladen Museum
In der Ulica Wrocławska nahe dem Alten Markt, lädt das Schokoladenmuseum zu einer „Reise ins Herz Afrikas und der Kakaoplantagen“ ein. Anders als klassische Museen liegt der Fokus hier auf einem interaktiven Workshop: Besucher erfahren im hauseigenen Mini-Kino die 5.000 Jahre alte Geschichte von Kakao und Schokolade, sehen historische Verpackungen und Exponate zur Kakaoverarbeitung – und stellen anschließend unter Anleitung ihre eigene Schokoladentafel her, die sie individuell dekorieren und mit nach Hause nehmen dürfen. Am Ende der Führung wartet eine Verkostungsstation mit lokaler polnischer Schokolade, und Teilnehmer erhalten für ihre selbstgemachte Tafel eine Art Bäcker-Diplom-Pendant.
Stary Marych Monument
An der Ulica Półwiejska steht das wohl meistfotografierte Denkmal Posens: der „Stary Marych“ – ein fiktiver Radio-Charakter, geschaffen 1983 vom Journalisten Juliusz Kubel, der in seinen Erzählungen im Posener Dialekt die Geschichte der Stadt vermittelte. Gesprochen wurde die Figur bis 1999 vom Schauspieler Marian Pogasz, dessen Gesicht die Bronzestatue trägt. 2001 gewählt in einer Publikumsabstimmung der „Gazeta Wyborcza“ (als einzige fiktive Figur unter realen Persönlichkeiten), zeigt das 195 cm hohe, halbe Tonne schwere Denkmal Marych mit Fahrrad und traditioneller Aktentasche. Der Stadtlegende nach rückt die Statue jährlich einen Millimeter in Richtung Rathaus – bei Ankunft drohe angeblich das Weltende.
Lviv Croissants
Direkt neben dem Stary-Marych-Denkmal, hat die ukrainische Bäckereikette „Lviv Croissants“ eine ihrer Posener Filialen. Die Marke, benannt nach der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg), ist mittlerweile mit rund einem Dutzend Standorten in ganz Polen vertreten – von Warschau über Krakau bis Zakopane. Anders als der klassisch-französische Namensvetter setzt die Kette auf überdimensionierte, herzhaft gefüllte Croissants – etwa mit Falafel, Avjar und Frischkäse – statt nur süßem Gebäck. Die Kette entstand im Zuge der ukrainischen Migrationsbewegung nach Polen und positioniert sich bewusst als Symbol ukrainisch-polnischer Verbundenheit;
Piroggen Fastfood Restaurant
„Pierożak“ gilt als die erste Pierogarnia Posens, in der die Teigtaschen direkt vor den Augen der Gäste handgeformt werden. Die kleine Familienkette betreibt mittlerweile mehrere Filialen in der Stadt – unter anderem an der Ulica Wrocławska, der Ulica Ratajczaka und im Einkaufszentrum Posnania – und verwendet neben klassischem Weizenmehl auch Bio-Buchweizenmehl. Auf der Speisekarte stehen sowohl traditionelle Füllungen als auch saisonale Kreationen, etwa mit Ente, Ziegenkäse oder Sauerkraut und Waldpilzen; auch vegane Varianten sind erhältlich. Bestellt wird nach Selbstbedienungsprinzip – man wählt Pierogi einzeln nach Stück statt in festen Sets, sodass jeder seinen individuellen Mix zusammenstellen kann.
Einkaufsstraße Ulica Półwiejska
Die 675 Meter lange Fußgängerzone Ulica Półwiejska verbindet den Plac Wiosny Ludów mit dem Kult-Einkaufszentrum Stary Browar und gilt als lebendigste Shopping-Straße Posens. Ihr Name („Halbdorfstraße“) stammt von der mittelalterlichen Vorstadtsiedlung Półwieś; unter deutscher Verwaltung hieß sie zeitweise Halbendorfstraße. Bis 1972 fuhr hier eine Straßenbahn, danach wurde die Straße zur Fußgängerzone umgewandelt. Heute erinnert ein historischer Straßenbahnwagen von 1950 als Café „Bimba“ an die einstige Tramlinie. Die Straße gilt zudem als eine der LGBTQ+-freundlichsten Straßen Polens.
Einkaufszentrum Stary Browar
Das Herzstück der Półwiejska ist der Stary Browar, ein 2003 eröffnetes Einkaufs-, Kunst- und Business-Zentrum auf dem Gelände der 1876 gegründeten Hugger-Brauerei. Mit rund 130.000 m² Fläche, über 210 Geschäften und einer Kunstgalerie kombiniert es Konsum mit Kultur – 2005 kürte ihn der Branchenverband ICSC weltweit zum besten mittelgroßen Shopping-Center. So wurde im gläsernen Atrium die Fassade eines im Krieg zerstörten Vorkriegs-Wohnhauses originalgetreu nachgebaut. Der frühere Poznaner Stadtpräsident wurde später verurteilt, weil das Grundstück unter Verstoß gegen Vorschriften als Park statt als Gewerbefläche verkauft worden war – ein Urteil, das später wieder aufgehoben wurde.
Museum of Illusions
Nur rund 100 Meter vom Alten Markt entfernt verbindet das Museum of Illusions optische Täuschungen und physikalische Rätsel zu einem interaktiven „Wahrnehmungslabor“. Anders als klassische Museen lädt jedes Exponat zur aktiven Teilnahme ein – von schiefen Räumen, in denen die Schwerkraft ausgehebelt scheint, bis zu Illusionen, die Besucher scheinbar schrumpfen oder wachsen lassen. Das Museum liegt bewusst in einem der ältesten Gebäude einer der ältesten Straßen Posens – ein bewusster Kontrast zwischen historischer Fassade und hochmoderner, technikgetriebener Ausstellung. Mit einer Google-Bewertung von 4,9 aus über 800 Rezensionen zählt es zu den bestbewerteten Attraktionen der Stadt.
Mosaikuhr
An der Fassade des ehemaligen Magistratsgebäudes in der Ulica Paderewskiego 10 hängt eine der meistfotografierten Kuriositäten Posens: eine über 100 Jahre alte, mit Mosaik verzierte Uhr. Sie wurde 1912 zusammen mit dem Gebäudekomplex installiert und stammt vom deutschen Uhrenhersteller Johann Friedrich Weule aus dem Harz; die kunstvolle Umrandung schuf die Posener Firma Otto Böttger. Das Zifferblatt misst 2,7 Meter im Durchmesser, ist von einem Baldachin geschützt und wird über eine sandsteinerne Galerie für den Uhrmacher erreicht. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, lief die Uhr danach jahrzehntelang nur noch elektrisch – der historische Originalmechanismus lagert bis heute ungenutzt im Turm.
Posener Königsschloss
Auf dem Przemysł-Hügel begann Herzog Przemysł I. Mitte des 13. Jahrhunderts, eine Residenz zu errichten, die sein Sohn Przemysł II. – 1295 zum polnischen König gekrönt – zum Königsschloss ausbauen ließ. Mit 63 × 17,5 Metern und mindestens 9 Metern Höhe war es damals das größte weltliche Gebäude Polens. Hier heirateten 1300 Wacław II. und 1314 Kazimierz der Große; 1493 leistete hier sogar der Großmeister des Deutschen Ordens dem polnischen König den Lehnseid. Nach Stadtbrand (1536), Wiederaufbau im Renaissancestil und Zerstörung während der Schwedischen Sintflut verfiel das Schloss zusehends; 1945 lag es endgültig in Trümmern.
Franziskanerkirche
Unweit des Königsschlosses, thront die Franziskanerkirche – errichtet ab 1668 für den Konvent der Franziskaner-Konventualen, die 1637 nach Posen kamen. Ihre Ansiedlung löste einen 20 Jahre währenden erbitterten Streit mit den bereits ansässigen Bernhardinern aus, die die attraktivere Lage der Neuankömmlinge als Konkurrenz fürchteten. Beide Orden bauten sich – nahezu zeitgleich und im Wettstreit um päpstliche Privilegien – jeweils eine eigene Nachbildung des „Loreto-Häuschens“ (Santa Casa) in ihre Kirchen ein, ein kurioses Duell frommer Kopien. Nach der Auflösung des Klosters durch Preußen 1832 diente die Kirche zeitweise deutschen Katholiken, kehrte aber 1921 an den Orden zurück.
Nationalmuseum
Gegründet 1857, beherbergt das Museum eine bedeutende Sammlung polnischer und internationaler Malerei. Am 17. September 2000 gelang hier der wohl spektakulärste Kunstraub Polens: Ein als „Malstudent“ getarnter Dieb saß stundenlang scheinbar zeichnend im Saal, schnitt jedoch heimlich Monets Gemälde „Strand von Pourville“ aus dem Rahmen und ersetzte es durch eine hastig auf Karton gemalte Kopie – bemerkt wurde der Diebstahl erst Tage später, als sich die Fälschung vom Rahmen zu lösen begann. Das auf 7 Millionen Dollar geschätzte, unversicherte Werk blieb fast ein Jahrzehnt verschwunden, bis der Täter über einen Fingerabdruck-Abgleich (wegen ausstehender Unterhaltszahlungen) gefasst wurde. Das restaurierte Gemälde hängt seit 2010 wieder in der Galerie für europäische Malerei.
Freiheitsplatz
Seit über 200 Jahren das gesellschaftliche Zentrum Posens, entstand der Platz Ende des 18. Jahrhunderts. An seiner Nordseite steht der secessionistische Higieia-Brunnen: Auf Initiative von Edward Raczyński – Hauptfinanzier der ersten Posener Wasserleitung – errichtet, ziert ihn ein Medaillon des Wasserheil-Pioniers Vincenz Prießnitz mit der Inschrift „Nichts Besseres als Wasser“. Auf der Ostseite dominiert seit 2012 die moderne „Freiheitsfontäne“: zwei 10 Meter hohe, gläserne „Segel“, aus denen Wasser in ein 20-Meter-Becken rinnt, nachts farbig illuminiert, rund 700 Tonnen schwer und knapp 4 Millionen Złoty teuer. An dieser Stelle stand einst ein Denkmal für Kaiser Friedrich III., das nach dem Großpolnischen Aufstand 1918/19 entfernt wurde.
Denkmal der Dankbarkeit
Das Denkmal für die Opfer des Posener Juni 1956, im Volksmund „Poznańskie Krzyże“ (Posener Kreuze), steht auf dem Adam-Mickiewicz-Platz. Enthüllt wurde es am 28. Juni 1981, zum 25. Jahrestag der Ereignisse, bei denen Arbeiter der Cegielski-Werke streikten und demonstrierten. Nach Untersuchungen des IPN starben dabei mindestens 58 Menschen. Das Monument besteht aus zwei verbundenen Stahlkreuzen von 19,5 und 21 Metern Höhe sowie einem Adlerkopf. Entworfen wurde es vom Bildhauer Adam Graczyk und dem Architekten Włodzimierz Wojciechowski unter dem Titel „Einheit“. Auf dem linken Kreuz steht die Jahreszahl 1956, auf dem rechten stehen spätere Protestjahre wie 1968, 1970, 1976 und 1980.
Posener Residenzschloss
Erbaut 1905–1910 nach Plänen von Franz Schwechten (auch Architekt der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche), gilt das Posener Kaiserschloss als jüngste monarchische Residenz Europas – und zugleich als letzte je errichtete. Für sagenhafte 5 Millionen Mark im neoromanischen Stil erbaut, um „tausend Jahre deutscher Herrschaft“ zu suggerieren, besuchte der Kaiser sein Prunkgebäude dennoch nur zwei- bis dreimal – es gefiel ihm nie wirklich. 1939 ließen die Nationalsozialisten das Schloss zur Residenz Adolf Hitlers umbauen (Pläne von Albert Speer), der jedoch nie dort weilte. Nach 1918 diente das Schloss paradoxerweise als Sitz der neuen polnischen Staatsgewalt, später sogar als Ort geheimer Kryptologiekurse zur Entzifferung der Enigma.
Cafe Haferdam
Die Specialty-Coffee-Bar ist bekannt für ihr Engagement in der Kaffeequalität. Geschultes Personal brüht auf Wunsch nach Methoden wie V60 und mahlt die Bohnen frisch vor Ort. Auf der Brunch-Karte stehen unter anderem Pancakes, Pulled-Pork-Gerichte und ein Ziegenkäse-Omelett. Besucher beschreiben die Atmosphäre als bewusst „unfertig“ und leicht konspirativ – mit unverputzten Wänden, offen liegenden Elektrokabeln und hohen, nach Norden ausgerichteten Fenstern, die an einen ehemaligen Hinterhof-Treffpunkt von Revolutionären erinnern. Bei Google/Tripadvisor-Bewertungen um 4,7 gilt es als eine der wenigen Adressen Posens mit „echtem Vibe“ abseits der üblichen, allzu niedlich gestalteten Kaffeebars. Laptops sind nur teilweise gestattet.
Arbeiterwohnanlage
Das denkmalgeschützte Gebäude in der ul. Czartoria 5 steht direkt an der Warthe. Es ist der Rest eines Arbeiterwohnkomplexes, der zwischen 1899 und 1902 entstand. Der Bau folgte auf das große Hochwasser von 1898. Die Anlage bot 214 kleine Wohnungen und wurde aus rotem Backsteinziegel in neugotisch inspiriertem Stil errichtet. Für ein Arbeiterhaus war die Ausstattung ungewöhnlich modern, mit Stahltreppen, Gas- und Wasseranschluss sowie Eisenträgerdecken. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex größtenteils zerstört, nur ein Haus blieb stehen. 2017 verkaufte die Genossenschaft es an einen privaten Investor, seither verfällt es. Dennoch bleibt es ein markantes Zeugnis der Posener Industrie- und Sozialgeschichte.
Strandbar KontenerART
An der Ulica Ewangelicka, direkt an der Warthe, verwandelt sich von Mai bis September ein unscheinbarer Grünstreifen in Posens originellste Bar: KontenerART, errichtet komplett aus umfunktionierten Schiffscontainern. Was 2012 als „mobiles Kultur- und Kunstzentrum“ begann, gilt heute als Pionier der Posener Beach-Bar-Szene. Ein Container dient als Bühne, einer als Bar, die übrigen beherbergen wechselnde – oft bewusst gewöhnungsbedürftige – Kunstinstallationen. Auf künstlichem Sand, zwischen Liegestühlen, Hängematten und Palettenmöbeln liegend, vergisst man leicht, mitten in einer Großstadt zu sein; von der oberen Etage der Container bietet sich zudem ein Blick über den Fluss, der als bester Logenplatz zum People-Watching gilt.
Posener Dom
Die älteste Kathedrale Polens entstand bereits im 10. Jahrhundert im vorromanischen Stil. Nach Zerstörungen durch Brände und den böhmischen Herzog Brzetysław (1038/39) wurde sie mehrfach wieder aufgebaut, Als größte Königsnekropole Polens nach Krakau ruhen hier acht Herrscher, darunter Mieszko I. und Bolesław Chrobry, deren symbolische Gräber in der „Goldenen Kapelle“ liegen. 1790 zerstörte ein Brand den einstürzenden Domturm samt den Königsgräbern; die sterblichen Überreste wurden danach jahrzehntelang in einer kleinen Truhe im Kapitelsaal verwahrt, bevor sie 1815 in die neu errichtete Goldene Kapelle überführt wurden – bis heute ist unklar, ob die tatsächlichen Gebeine der Herrscher dort wirklich liegen.
Tagesausflug von Posen
Die Christus-König-Statue von Świebodzin
In der westpolnischen Kleinstadt Świebodzin (deutsch: Schwiebus), rund 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und gut von der Bahnstrecke Berlin–Posen aus sichtbar, steht eine der bekanntesten religiösen Monumentalskulpturen Europas: die Christus-König-Statue (Pomnik Chrystusa Króla).
Maße und Bauweise
Die eigentliche Figur ist 33 Meter hoch – eine bewusste Anspielung auf das Lebensalter Jesu bei seinem Tod. Mit der 3 Meter hohen, vergoldeten Krone summiert sich die Höhe auf 36 Meter; der 15 Tonnen schwere Kopf allein misst 4,5 Meter. Errichtet wurde die 440 Tonnen schwere Statue aus Stahl, Leichtbeton und Polyester auf einem 16,5 Meter hohen künstlichen Hügel aus Erde und Findlingen, sodass die Gesamthöhe 52,5 Meter erreicht. Mit ausgebreiteten Armen misst die Spannweite 24 Meter.
Geschichte
Initiiert wurde der Bau vom Ortspfarrer Sylwester Zawadzki, entworfen vom Bildhauer Mirosław Kazimierz Patecki. Eingeweiht wurde die Statue am 21. November 2010 – seither gilt sie als die höchste Jesus-Darstellung der Welt, rund sechs Meter höher als der berühmte Cristo Redentor in Rio de Janeiro (ohne dessen Sockel gerechnet). Seit 2022 wird ihr dieser inoffizielle Titel allerdings von der noch etwas höheren Statue „Cristo Protector“ im brasilianischen Encantado streitig gemacht.
Skurrile Details
Nach seinem Tod 2014 wurde Pfarrer Zawadzkis Herz seinem letzten Wunsch entsprechend am Fuß der Statue beigesetzt – ein Akt, der als illegale Bestattung außerhalb eines Friedhofs zu einem Strafverfahren gegen die beteiligten Ärzte und zum Rücktritt seines Nachfolgers führte. Zudem sollen laut Medienrecherchen in der Krone der Figur WLAN-Sendeanlagen versteckt sein, um die Funkabdeckung der Gemeinde zu verbessern – die Pfarrei selbst äußert sich dazu bis heute nicht offiziell.
mehr Highlights in Posen
- Museum Großpolnischer Aufstandes
- Museum of illusions
- Posener Dom
- Nationalmuseum
- Schokoladen Museum
- Kim Chi Ken – korean fried chicken
- Observation Deck at the Royal Castle
- Okrąglak
- Centrum Szyfrów Enigma





























