Gibraltar ist eines der ungewöhnlichsten Reiseziele Europas – ein winziges britisches Überseegebiet, eingeklemmt zwischen der spanischen Costa del Sol und der Straße von Gibraltar, mit Blick auf die afrikanische Küste. Wer einen Tagesausflug nach Gibraltar plant, findet auf gerade einmal sechs Quadratkilometern eine faszinierende Mischung aus britischer Kultur, mediterranem Flair und spektakulärer Natur. Rote Telefonzellen, English Breakfast und Linksverkehr treffen hier auf spanische Sonne und nordafrikanisches Klima.
Das unbestrittene Wahrzeichen ist der Felsen von Gibraltar, der sich fast 430 Meter über das Mittelmeer erhebt. Mit der Seilbahn oder zu Fuß erreicht man den Gipfel, wo die berühmten Berberaffen leben – die einzige wildlebende Affenpopulation Europas. Von oben bietet sich ein atemberaubender Panoramablick bis nach Marokko, bei klarer Sicht sogar bis zum Atlasgebirge.
Weitere Highlights für einen Tagesausflug sind die St. Michael’s Cave, ein imposantes Tropfsteinhöhlensystem, das gelegentlich sogar für Konzerte genutzt wird, sowie die Great Siege Tunnels, ein weitverzweigtes Tunnelsystem aus der britischen Verteidigungsgeschichte. Auch die Main Street mit ihren zollfreien Geschäften, der historische Hafen und die Europa Point mit ihrem Leuchtturm und Blick auf zwei Kontinente gehören zum Pflichtprogramm.
Da Gibraltar von Spanien aus problemlos zu Fuß, mit dem Bus oder dem Auto erreichbar ist, eignet es sich ideal als Tagesausflug von Städten wie Málaga, Marbella oder Cádiz aus – ein kompaktes Ziel, das in wenigen Stunden Geschichte, Natur und einen Hauch britisches Lebensgefühl unter mediterraner Sonne vereint.
Informationen über Visum, Einreisebedingungen, Steckdosen, Geld abheben und vieles mehr, findest Du unter Reisevorbereitung Gibraltar
Anreise von Malaga nach Gibraltar
Mit dem Bus aus Malaga
Es soll wohl einen öffentlichen Verkehrsbus geben, der von Malaga bis an die Grenze nach Gibraltar fährt. Allerdings bevorzugten wir die Luxusvariante mit GetYourGuide. Hier bekommst Du für 30 EUR pro Person Deinen eigenen Sitz, ein kurzes Einführungs- und Geschichteprogramm und feste Abfahrtszeiten. Los geht es morgens vom Rathaus Malaga bis zum Busbahnhof Gibraltar. Für die Alten, Schwachen oder Faulen wird schon für ein gehobenes Budget ein Sammeltaxi auf den Hügel offeriert.
Sehenswürdigkeiten in Gibraltar
Gibraltar International Airport
Der Flughafen ist einer der außergewöhnlichsten in Europa. Die Winston Churchill Avenue, die wichtigste Straße zur Grenze, kreuzt direkt die Start- und Landebahn. Landet oder startet ein Flugzeug, schließen sich Schranken, und Autos, Radfahrer und Fußgänger warten, bis die Piste wieder frei ist. Wer zu Fuß über das Rollfeld läuft, überquert die Landebahn also ganz legal. Die Piste ist nur etwa 1.800 Meter lang und endet an beiden Seiten im Wasser beziehungsweise am Felsen. Gebaut wurde sie im Zweiten Weltkrieg als Militärflugplatz der Royal Air Force. Bis heute nutzen ihn zivile und militärische Maschinen. Das moderne Terminal wurde 2012 eröffnet, Linienflüge verbinden Gibraltar vor allem mit Großbritannien.
Main Street / Calle Real
Die Main Street ist mit rund einem Kilometer Länge die Hauptschlagader der Altstadt und verläuft von Nord nach Süd. Ihr Verlauf geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, ursprünglich hieß sie Calle Real. Heute ist sie Fußgängerzone, gesäumt von Häusern, in denen genuesische, portugiesische, andalusische, maurische und britische Regency-Architektur zusammentreffen. Im Erdgeschoss sitzen Läden, die vielen aus britischen Einkaufsstraßen bekannt vorkommen, dazu kommen typische Pubs. Fast jede Straße in Gibraltar trägt zwei Namen, und Einheimische nutzen beide. Tipp: Starte am Casemates Square und schlendere Richtung Süden, denn dort befindet sich die Talstation der Seilbahn.
Devils Cap Battery
Hoch über Gibraltar, etwa 130 Meter über dem Meeresspiegel, liegt die Devil’s Gap Battery, von den Spaniern Punta del Diablo genannt. Die Küstenbatterie entstand um das Jahr 1900, war mit zwei schweren Geschützen bewaffnet und blieb bis in den Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Heute steht sie als Denkmal der höchsten Schutzkategorie unter dem Gibraltar Heritage Trust Act von 1989. In den 1960er-Jahren lebten Familien britischer Soldaten direkt neben den Kanonen, und Kinder spielten auf dem Geschützturm, als wäre er ein Klettergerüst. Der Weg führt über die Green Lane durch das Naturschutzgebiet. Wer nicht laufen möchte, nimmt ab Casemates Square ein Taxi, das in 10 bis 15 Minuten oben ist.
Queens Charlottes Battery
Nicht weit von der Maurischen Burg, liegt die Queen Charlotte’s Battery, die auf das Jahr 1727 zurückgeht. 1859 standen hier zwei Geschütze. Die Anlage zählte zu den sogenannten „retired batteries“: Sie lag weit vom Hafen entfernt und hoch am Hang, war dadurch für Angreifer schwer zu treffen und gab den Kanonieren mehr Sicht und Reichweite. Skurril ist die Namensvielfalt: In diesem Teil des Felsens reihen sich mehrere Batterien mit Namen britischer Prinzessinnen aneinander, darunter Princess Caroline’s und Princess Royal’s, und einige wurden im Lauf der Zeit sogar umbenannt. Heute ist die Batterie öffentlich zugänglich, und es stehen noch Geschütze vor Ort. In Princess Caroline’s Battery in der Nähe befindet sich ein kleines Militärmuseum.
World War II Tunnels
Ape’s Rock
Der Ape’s Rock gehört zu den Orten auf dem Felsen von Gibraltar, an denen du die berühmten Berberaffen besonders häufig triffst, auch an der Bergstation der Seilbahn und am Apes’ Den bei der Mittelstation. Genau genommen sind sie tailless Berberaffen, also schwanzlose Makaken, und sie bilden die einzige wilde Affenpopulation Europas. Einer Legende nach endet die britische Herrschaft über Gibraltar, sobald die Affen verschwinden. Im Zweiten Weltkrieg sank ihre Zahl auf nur noch sieben Tiere, woraufhin Winston Churchill anordnete, den Bestand aufzustocken. Heute gilt ein klares Fütterungsverbot, und du solltest Abstand halten, denn die Tiere klettern gern auf Besucher. Tipp: Halte Rucksack und Snacks gut verschlossen.
Barbary Macaque Feeding Station
Die Feeding Station liegt im Upper Rock Nature Reserve und ist ein beliebter Ort, um die berühmten Berberaffen aus nächster Nähe zu beobachten. Die Tiere werden dort an 365 Tagen im Jahr von einem Team aus erfahrenen Affenpflegern mit Futter versorgt, dessen Zusammensetzung ein Tierarzt festlegt. Dazu fressen sie viele wilde Pflanzen aus ihrem Lebensraum. Die Futterstellen sollen auch verhindern, dass die Affen in bewohnte Gebiete abwandern. Obwohl das Füttern durch Touristen eine Straftat ist, gilt das Gesetz als nur schwach durchgesetzt. Tipp: Zeige kein Essen, halte Abstand und lass die Tiere nie anfassen, sonst kann ein Besuch unangenehm werden.
Skywalk Gibraltar
Der Skywalk Gibraltar ist eine gläserne Aussichtsplattform im Naturreservat Upper Rock, etwa 340 Meter über dem Meeresspiegel und damit höher als die Spitze des Londoner Shard. Er wurde am 21. März 2018 eröffnet und bietet einen 360-Grad-Blick auf drei Länder und zwei Kontinente. Gebaut wurde er auf den Fundamenten einer Flugabwehrstellung aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Glasboden besteht aus vier Schichten, insgesamt sind es 42 Glaspaneele auf über 750 Quadratmetern. Die Eröffnung übernahm Mark Hamill, bekannt als Luke Skywalker, der das Band mit einem Lichtschwert durchtrennte. Tipp für deinen Tagesausflug: Der Skywalk liegt knapp unterhalb des Douglas Path, der zur O’Hara’s Battery führt, die du gut mit einem Besuch verbinden kannst.
Douglas Path
Der Pfad ist eine der bekanntesten Routen im Naturreservat und verläuft von Nord nach Süd über den obersten Grat des Felsens. Er reiht Wachposten, Geschützstellungen und Gebäude auf, die einst zur Verteidigung des Gipfels gehörten. Im Süden liegen die O’Hara’s, die Lord Airey’s und die Breakneck Battery, deren Name so viel wie „Halsbrecher” bedeutet. Am unteren Ende steht die Douglas Cave, die schon während der Großen Belagerung (1779 bis 1783) genutzt und 1940 erneut belegt wurde. Skurril: Die Höhle befindet sich ungewöhnlicherweise in einem Backsteingebäude, in dem nur eine einzelne Steinbank und die Reste einer schlichten Gedenktafel zu finden sind. Tipp: Der Weg ist im Eintrittsticket für das Naturreservat enthalten.
Douglas Lookout
Der Douglas Lookout ist ein Beobachtungsposten aus dem Zweiten Weltkrieg im höchsten Teil des Felsens. Er liegt am Douglas Path, der entlang des oberen Grats mehrere Militäranlagen miteinander verbindet. Die Wanderung dauert etwa zwei Stunden, und es eröffnen sich Ausblicke auf beide Seiten des Felsens. Gebaut wurde der Weg von Sträflingen, um Truppenbewegungen auf dem Upper Rock zu erleichtern. Der Douglas Path war Schauplatz der Eröffnungsszene des James-Bond-Films „Der Hauch des Todes“ von 1987, in der Timothy Dalton als 007 mit einem gekaperten Land Rover über die Serpentinen raste. Vorsicht: Der Pfad ist stellenweise schmal und unrestauriert, daher unbedingt festes Schuhwerk tragen.
mehr Highlights in Gibraltar
- Europa Point
- Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee
- Cathedral of Saint Mary the Crowned
- Gibraltar Botanic Gardens (The Alameda)
- Gibraltar National Museum
- Windsor Suspension Bridge













